Digitale Kompetenzen im beruflichen Alltag

Autor: Timo Mornhinweg

Die (Arbeits-)Welt ist im Umbruch. Wir befinden uns inmitten der Digitalisierung. Buzzwords wie Internet of Things, Industrie 4.0, Big Data und Digitaler Arbeitsplatz sind aus den Medien nicht weg zu denken. Fakt ist, dass wir uns aktuell inmitten eines Wandels befinden.

Im privaten Umfeld haben Social Media über die letzten Jahre einen sehr hohen Stellenwert erlangt. Können Sie sich einen Alltag ohne Social Media noch vorstellen? Oder gar ohne Smartphone? Ein Leben ohne Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, Whatsapp und Co?

Als ich in einem Messegespräch auf die klassische Frage „Was machen Sie eigentlich?“ unter anderem von digitalen Kompetenzen gesprochen habe, wurde ich gefragt: „Wenn ich mein iPhone anmachen kann, ist das dann auch schon eine digitale Kompetenz?“ Nein. Digitale Kompetenzen gehen deutlich über die reine Hard- und Softwarenutzung hinaus. Und hinzu kommt noch, dass gerade eine Generation mit Touchdisplays heranwächst, die Wischen und 2-Finger-Zoomen quasi mit der Muttermilch aufsaugt.

Wir wissen, wie wir mit diesen Werkzeugen im privaten Umfeld umgehen: Wir teilen tolle Erlebnisse, wir chatten 1:1 oder mit mehreren Freunden, wir stellen Dateien – gut, vorwiegend Fotos – dem Netzwerk zur Verfügung, auf aktuelle Nachrichten werden wir via Twitter hingewiesen und so weiter.

Jetzt könnten wir zu dem Schluss kommen, dass wir alle ja schon diese Kompetenzen verinnerlicht haben und diese problemlos in den beruflichen Alltag integrieren könn(t)en. Leider ist das nicht so – und das liegt nicht nur am Unterschied zwischen digital-affinen und weniger digital-affinen Menschen. Sondern es liegt auch – meiner Meinung nach vor allem – daran, dass man die digitalen Kompetenzen im beruflichen Alltag anders definiert als im privaten Umfeld. Freunde in Facebook zu finden ist etwas anderes als Experten in meinem internen oder gar externen Netzwerk zu identifizieren, eine gemeinsame Urlaubsplanung via Whatsapp ist etwas anderes als eine Terminvorbereitung in einer Community, ein Bild von meinem Mittagessen erntet ein paar Likes, das ist aber nicht das gleiche wie kuratierten Content zur Verfügung zu stellen, Cat-Content… Sie ahnen, wo das endet.

Wir benötigen zwingend mehr digitale Kompetenzen

Fakt ist, dass wir im Zeitalter der Digitalisierung im beruflichen Kontext zwingend mehr digitale Kompetenzen benötigen. Aber was sind das für Kompetenzen, die wir benötigen? Fakt ist, es hat irgendetwas mit Kommunikation oder gar Kollaboration, dem Umgang mit einer großen Menge an Wissen(skanälen) und (Ver)Netzwerken zu tun. Als Grundlage sehe ich die „5 Competence Areas“ des European Digital Competence Framework for Citizens „DigComp“ an, das vom Joint Research Center im Auftrag der EU-Kommission und mit Unterstützung der Mitgliedstaaten entwickelt und 2017 überarbeitetet wurde (vgl. The Digital Competence Framework for Citizens, Seite 21). Hier geht es um den Umgang mit Informationen und Daten, Kommunikation und Kollaboration, Digital Content Creation, Sicherheit und Problemlösungen.

Digital Competence Areas

Unternehmensübliche Use Cases

Viele dieser Punkte finden wir auch in den unternehmensüblichen Use Cases des digitalen Arbeitsplatzes wieder. In einer Vielzahl von Projekten finden sich drei thematische Überschriften für verschiedene Use Case-Kategorien:

• Kommunikation im Team,
• Selbstmanagement und
• Kollaboration und Teilen von Informationen.

Zum einen werden die verschiedenen digitalen Kompetenzen im digitalen Arbeitsplatz im Kontext eines IT-Geräts (PC/Laptop, Smartphone, Tablet) auf die nächste Evolutionsstufe der täglichen Arbeit gehoben, und im Bereich der Zielgruppen ohne solche Geräte (wie z.B. Produktion etc.) (veränderte Arbeitsweisen) müssen diese digitalen Kompetenzen von einem geringeren Reifegrad kommend etabliert werden. Das bedeutet auch, dass die digitalen Kompetenzen zielgruppengerecht aufbereitet und auf dem vorhandenen Reifegrad basierend entwickelt werden müssen.

In unterschiedlichen Quellen werden die digitalen Kompetenzen unterschiedlich granular dargestellt, im Kern geht es aber größtenteils um die beschriebenen Ausprägungen, und einige Unternehmen haben diese bereits für sich adaptiert. So hat z.B. Siemens „social competences for a digital life“ entwickelt und unterscheidet hier 8 Felder:

  • Digital Load Management,
  • Digital Device Usage,
  • Digital Footprint, Cyber Security,
  • Content Creation,
  • Social Media,
  • General Approach for Digital Competences und
  • Virtual Communication and Collaboration.

Die Etablierung dieser Kompetenzen hat allerdings auch eine Kehrseite: Abgesehen davon, dass diese Kompetenzen im Zuge eines Veränderungsprozesses etabliert werden – und eine Veränderung ist zumeist erst einmal etwas „Böses“ – geht damit zumeist die „Angst vor Transparenz“ einher. Das bedeutet, dass neben der reinen Kompetenzentwicklung und deren Komplexität auch eine gewisse Sensibilisierung mitbedacht werden muss.

Aber nicht nur die Unternehmen haben den Bedarf und die Dringlichkeit erkannt, sondern auch die Hersteller selber. So ist es auch nicht überraschend, dass z.B. Google in München mittels eines Schulungszentrums fit für den digitalen Wandel machen möchte (siehe "Google eröffnet Schulungszentrum in München", dpa, 17.07.2017).